Farmhouse Smiling Gecko

Fotokünstler Hannes Schmid und Rechtsanwalt Dominique Ruetimann haben im Jahr 2012 den Verein Smiling Gecko gegründet, mit dem Ziel, Direkthilfe in Form von nachhaltigen, ökologischen und ökonomischen Projekten in Kambodscha zu leisten. Ich habe Hannes Schmid in einem Referat über seine Lebenswerke und Visionen erlebt. Er hat mich mit seiner inspirierenden Persönlichkeit damals sehr begeistert und ich wusste, dass er sich mit voller Leidenschaft seinem neuen Projekt widmet.

Die 5 Teilprojekte, welche in der nördlichen Provinz von Kampong Chhnang lanciert wurden, bilden dabei ein ganzheitliches Cluster:

  • AGRICULTURE FAMILY PROJECT (Landwirtschaft)
  • VILLAGE SCHOOL PROJECT (Schule und Ausbildung)
  • SUSTAINABLE GARMENT PRODUCTION (Produktion)
  • FARMHOUSE SMILING GECKO (Tourismus)
  • SMILING GECKO CARPENTRY (Handwerk)

Seit dem Sommer 2016 konnten die ersten Besucher (vor allem Sponsoren und Gönner) das Farmhouse besuchen. Ab November 2016 wurde dann der reguläre Betrieb für Gäste aufgenommen. Das Interesse ist sehr gross, so dass alle Tage auf meiner Reise durch Kambodscha bereits ausgebucht waren. Da ich nach meiner Vietnamreise sowieso nach Phnom Penh zurückflog, um den Jahreswechsel mit meinem Bruder und meinen Freunden zu feiern, buchte ich mit genügend Vorlauf eine Übernachtung in diesem Zeitraum. Der Besuch mit einer Übernachtung inkl. Mahlzeiten für CHF 220.-  und Getränke (1 Flasche Bier =10$)  ist für mich als Langzeitreisender relativ teuer.  Da das Geld aber direkt in die Projekte zurück fliesst, ist dies eine gute Weise zu spenden. Auf diesem Weg sieht man direkt, für was man spendet und was mit dem Geld gemacht wird.

Nach der Online-Buchung bekam ich eine E-Mail von Soparith, dem jungen Assistenten des Direktors von Smiling Gecko Cambodia. Er fungierte auch als Guide und konnte den Teilnehmern mit gutem Englisch detailliert über die Projekte erzählen. Soparith und der Chauffeur holten mich mit einem Minivan direkt an meinem Hotel in Phnom Penh ab. Zwei ältere Schweizer Paare waren auch mit von der Partie. Nachdem er sich vorgestellt und bedankt hatte, erzählte er auf der Fahrt ein wenig von Hannes Schmid und von dem Tagesprogramm. Vor allem hatte er Freude an meinem Besuch, weil ich der erste Auslandskambodschaner bin und er somit auch einmal auf Kambodschanisch erzählen konnte.

Das Programm sah wie folgt aus:

Tag 1:

  • Besuch des Fischmarkts
  • Frühstück und Check-In
  • Besichtigung der gesamten Anlage
  • Mittagsessen
  • Fahrt auf dem Bamboo Train durch die Landschaft
  • Fahrt zum Tempelberg mit Sonnenuntergang
  • Abendessen und Freizeit

Tag 2 (vormittags)

  • Besichtigung einer Textilfabrik
  • Besuch einer Dorfschule
  • Frühstück
  • Rückfahrt nach Phnom Penh

Fischmarkt

Auf dem Weg zum Farmhouse Smiling Gecko gab es einen kurzen Stopp bei einem Fischmarkt. Entlang der National Highway 5 werden Fische, Aale und Frösche, die direkt über den Tonle Sap herangebracht werden, zum Verkauf angeboten. Kunden sind vorwiegend Händler und Restaurants. Ein wenig schockierend war es für mich bei den Froschständen, an denen hunderte Frösche in einem hohen Tempo ausgenommen wurden. Sopharith erzählte uns, dass die meisten Fischer hier Vietnamesen sind, welche nach der 10-jährigen Besetzung nicht mehr nach Vietnam zurückgekehrt sind.

Frühstück und Check-In

Beim Farmhouse in Samaki Meanchey District angekommen, wurden wir vom ganzen Gastro Team herzlich mit einem Erfrischungsgetränk in Empfang genommen. Jeder einzelne des Gastro Teams und die Schweizer Volontäre, welche die gesamte Anlage führen und die Einheimischen betreuen und ausbilden, wurden uns vorgestellt. Während des Frühstücks mit Müesli oder Flakes, Brot, Butter, Konfitüre, Eier, Toast und auch Nudelsuppe, Kaffee und frischen Getränken wurden wir professionell bedient. Das Restaurant ist seit kurzem im Auftrag der Schweizerischen Hotelfachschule Luzern SHL  mit den besten Geräten von Gastro-Online AG ausgestattet. Die klassischen kambodschanischen Bungalowhäuser auf Stelzen, in denen die Gäste untergebracht sind,  sind sehr gepflegt und modern ausgestattet.

Besichtigung der gesamten Anlage

Nach dem Frühstück ging es zunächst zum Eingang der 220’000 Quadratmeter grossen umzäunten Anlage. Dort wurde ein offizieller Polizist als Wachmann angestellt, um ungebetenen Leuten den Eintritt in die Anlage zu verwehren und damit für Sicherheit zu sorgen. Um zusätzlich das Risiko für Diebstähle und Einbrüche zu vermeiden, wurden die Bewohner in der Gegend in das Projekt einbezogen.

Soweit ich mich richtig erinnere, leben in der Anlage etwa zehn Familien, welche Smiling Gecko aus den Slums geholt hat. Sozialarbeiter, unter anderem auch Soparith, gehen regelmässig in die Slums in Phnom Penh, um dort die Familien zu besuchen und für das Projekt auszusuchen. Es ist nicht einfach für die Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung herauszukommen und einem geregelten und strukturierten Lebensalltag zu folgen. Sie müssen lernen, wie man Gemüse und Obst anpflanzt, Hühner und Schweine züchtet, mit Geld und Budget umgeht, Tages-, Wochen- und Monatsprogramme erstellt und Ziele setzt.

Wenn eine Familie den Willen zeigt ein neues Leben zu beginnen und ausgewählt wurde, bekommt sie ein voll ausgestattetes Haus mit eigenem Land zur Verfügung gestellt. Wie die Familie die Fläche landwirtschaftlich nutzt ist ihr freigestellt,  sie bekommt aber entsprechende Schulungen und Betreuung. Auch für die Schulpflicht und Freizeitgestaltung der Kinder wird im Farmhouse Smiling Gecko gesorgt. Aktuell müssen die Kinder der Familien noch in die Dorfschule gehen. Langfristig soll aber auf dem Gelände auch eine Schule für Kinder und Erwachsene entstehen. Die Familien erhalten zudem bei Ihrer Arbeit Unterstützung durch Bewohner aus der Umgebung, welche von Smiling Gecko bezahlt werden.

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Auf der Besichtigung lernen wir auch einige Familien kennen. Zum Beispiel eine Frau, deren Ehemann kürzlich verstorben ist und die sich nun alleine um ihre Kinder und um die Schweinezucht kümmern muss. Sie macht eine schwere Zeit durch, aber mit der Unterstützung der anderen und der Farmhouse Crew scheint sie stark zu sein. Eine andere Familie mit sieben Kindern durften wir dabei beobachten, wie sie mit einer Händlerin aus der Umgebung mit Waren handelte: Fisch gegen Gemüse und Früchte.

Weiter auf der Tour kamen wir bei der Nursery Station vorbei, wo der Anbau verschiedener Gemüsesorten getestet wird. Scheinbar versucht hier Hannes Schmid selber zu testen, welche Sorten in der Region im Anbau gut funktionieren und welche nicht. Besonders geht es dabei natürlich um Gemüsesorten, die auf dem Markt sehr teuer sind und dadurch für die Familien schwer erschwinglich sind.
Sauberes Wasser wird aus dem Grundwasser in Tanks gepumpt. Zusätzlich wird Wasser in der Regenzeit in zwei grosse Bassins geleitet, um dieses in der Trockenzeit zur Bewässerung der Felder zu nutzen.

Wir kommen an den Unterkünften der Angestellten, der kleinen Schule und Kantine vorbei, bevor wir zur Schreinerei gelangen. Hier bekommen einige junge Kambodschaner aus der Umgebung eine Ausbildung zum Schreiner, aber auch regelmässig Englischunterricht. Die Anlage wurde von der Firma Eigenmann AG aus Dietfurt mit guten Geräten ausgerüstet.

Nachdem wir dann die Bananenplantagen, die Hühner und Schweineaufzucht besichtigt haben, ging es zurück zum Restaurant, wo wir ein leckeres Mittagsessen einnahmen: Kürbissuppe, Tofu mit Sprossen und Fisch mit Reis.

Bamboo Train

Nach dem Mittagsessen ging es auf eine gemütliche Fahrt mit dem Bamboo Train, welcher mit einem kleinen Motor angetrieben wurde, durch die wunderschöne Landschaft. Wir hielten auf einer kleinen Brücke an, welche die Roten Khmer damals versucht haben zu sprengen. Bei der Rückfahrt entgleiste unser Gefährt und wir mussten mit gemeinsamer Kraft die schwere Plattform anheben, die Räder wieder auf die Schiene bringen und die Plattform richtig positionieren. Ein bisschen Action auf der endlos geraden Strecke war gar nicht mal so übel und auch ein Erlebnis für sich. 😊

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Tempelberg

Mit dem Minibus ging es zum etwa 45 km entfernten Tempelberg. Auf der Spitze steht ein riesengrosser, runder Fels in der Form eines Delfinkopfes, von dem die Einheimischen glauben, dass dieser aus dem Himmel gefallen war. Tatsächlich scheint es, als ob man ihn einfach daraufgestellt hat. Weil der Berg auch heilig ist, leben hier auch einige Mönche in einem Kloster. Wir genossen hier noch die Ruhe und die Abendsonne, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Farmhouse machten. Es gab aber noch einen kurzen Stopp bei einer sehr armen Familie, die behelfsmässig in einer offenen Hütte lebt. Smiling Gecko unterstützt sie, in dem sie ihr eine Pumpe gebaut hat, um an sauberes Trinkwasser zu gelangen und beim Anbau von Gemüse und der Züchtung von Hühnern.

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Vor dem Abendessen gab es eine Geburtstagsüberraschung für einen Gast. Dies war ein gelungener Anlass für die Crew, sich kreativ auszutoben. Das Essen war wieder sehr lecker. Am Abend war auch die Chefköchin anwesend, eine herzliche junge Mutter, welche vor Ort von der Hotelfachschule Luzern ausgebildet wurde und zwecks Weiterbildungen regelmässig in die Schweiz kommt.

Die Schweizer Crew erzählte uns an dem Abend sehr viel über das Projekt und die Menschen. Alle Angestellten der Küche kommen aus den benachbarten Dörfern. Die gesamte Umgebung wird in das Projekt einbezogen, in dem die Leute beim Bauen der Gebäude oder bei der Bewirtschaftung der Plantagen und Feldern helfen. Man merkt auch, dass hier etwas Grosses entsteht. Ein Pool und viele Gasthäuser befinden sich im Bau. Die Anlage ist auch erst zu einem Drittel fertig. Es sollen noch viele weitere Gebäude entstehen, wie eine grosse Schule, eine Textilfabrik und Sportplätze. Grundlegendes Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Die Einheimischen sollen sich selber helfen können und das Knowhow einander weitervermitteln, bis es irgendwann mal den Menschen in der ganzen Umgebung besser geht. Zudem sollen möglichst viele Familien aus den Slums in der Hauptstadt hier eine neue Chance auf ein besseres Leben bekommen.

Textilfabrik und Dorfschule

Frühmorgens noch vor 6:00 Uhr ging es zu einer Textilfabrik, wo wir beobachten konnten, wie tausende Arbeiterinnen auf Lastwagen heran gekarrt wurden, um als Billigarbeitskräfte für namhafte Kleidermarken zu schneidern. Wir wurden natürlich von den Sicherheitskräften bemerkt, standen aber genug weit vom Eingang entfernt, so dass wir nicht verjagt wurden. Ein Sicherheitsmann hat von uns sogar Fotos gemacht. Wenn man im Internet «Garment factory in Cambodia» eingibt, werden viele Dokumentarfilme gelistet. Einer der Filme, der kürzlich in den Medien erschien, ist die Serie Sweatshop aus Norwegen, wo drei junge Fashionblogger eine Woche lang in einer Fabrik in Kambodscha arbeiten durften. Einige dieser jungen Menschen kämpfen nun für Transparenz gegen die grossen Namen und konfrontieren diese direkt. Das Video dazu hier.

Als wir genug gesehen hatten und der Strom an Arbeiterinnen kaum ein Ende zu nehmen schien, fuhren wir weiter zur Dorfschule, wo wir auch einige Kinder aus dem Farmhouse wieder sahen. Die ganze Schule stand Reih und Glied im Freien vor dem Direktor und die Schüler sangen wohl die Nationalhymne. Danach reihten sich die Klassen vor den Zimmern ein und zählten artig durch. Aus den Klassenzimmern hallte es dann laut von Sprechchören. Das Alphabet wurde gemeinsam aufgesagt, oder das 1×1 bis 9×9 durchgerechnet. Auswendig lernen und alles wie ein Gedicht laut „herunter leiern“ scheint hier eine beliebte Methode zu sein. Herzig anzuschauen war es allemal. Die Lehrer hier werden von Smiling Gecko finanziell mitgetragen, damit diese regelmässig in die Schule kommen und die Kinder unterrichten. Ohne diese Unterstützung ist das Pflichtbewusstsein der Lehrer leider nicht so gross und der Unterricht würde regelmässig ausfallen. Allerdings leider auch ein wenig verständlich, da die Lehrer an öffentlichen Schulen fast nichts verdienen. In der Hauptstadt und den grösseren Ortschaften werden die Kinder aus finanziell besser gestellten Elternhäusern aus diesem Grund meist an Privatschulen geschickt. Diejenigen, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder sogar in internationale Schulen, wo es den Kindern nur gestattet ist, Englisch zu sprechen.

Es war für mich sehr berührend zu sehen, wie den Menschen geholfen wird und die Geschichte hinter jedem einzelnen Schicksal zu hören. Vor diesem Hintergrund war es doch ein wenig eigenartig, dass ich hier in einer schönen Unterkunft übernachtete und mich mit leckerem Essen verwöhnen liess. Wenn irgendwann auch der Pool fertiggestellt sein wird und man hier einige Tage „Urlaub“ machen kann mit Yoga und Massage, weiss ich nicht wie ich mich fühlen würde, wenn ich im gleichen Zuge weiss, dass nebenan arme Familien ihrem Alltag nachgehen und viele Angestellte aus armen Verhältnissen kommen, deren Familien es nicht so gut geht. Jedoch ist das ja leider überall in Kambodscha und Südostasien so. Aber im Gegensatz zu einem Hotelressort, wo das Geld vor allem in die Tasche der Inhaber fliesst, kommt es hier den Leuten zu Gute und bringt Arbeitsplätze und finanzielle Sicherheit für die Menschen aus der Region und den Slums aus Phnom Penh.
Das Projekt ist noch jung und momentan wird viel gebaut und optimiert. Vielleicht entsteht hier eine Ferienanlage, wo man sich hervorragend entspannen und gutes Essen geniessen kann, wo in Zukunft vielleicht Aktivitäten angeboten werden, bei denen man einen engen Austausch mit den Bewohnern hat. Eine Idee wäre, wenn die Gäste während einer Schullektion einer Gruppe Schülern zugewiesen werden, um ihnen etwas beizubringen.
Schliesslich empfehle ich jedem, der in Kambodscha Urlaub machen und gerne Geld spenden möchte, das Smiling Gecko Projekt zu besuchen und zu unterstützen. Neben Kantha Bopha von Beat Richner ist dies ein spannendes und nachhaltiges Konzept, das Zukunft hat. Mir hat es sehr gut gefallen.

This entry was posted in Kambodscha, Phnom Penh

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