Die letzte Station unserer Japan-Reise ist die weltbekannte Hauptstadt Tokio (früher auch bekannt unter dem Namen Edo) mit rund 9.5 Millionen Einwohnern, welche regelmässig von Godzilla heimgesucht wird 😃. Wir kamen für 3 Nächte im Khaosan World in Asakusa für 3’400.- Yen pro Nacht unter (ca. CHF 29.-), von wo aus wir eine gute Anbindung hatten. Das Hostel der Kette Khaosan ist im ganzen Land verteilt und zieht viele junge Leute aus der ganzen Welt an. Die Küche ist sehr gross und gut ausgestattet und es gab eine grössere Bar. Nach dem Hiromi abgereist war, wagte ich eine Nacht im Kapselhotel Capsule and Sauna Oriental in Ueno, verbrachte einige Tage im Wise Owl Hostel bei Shibuya und habe mich vor der Weiterreise im East57 in Asakusabashi einquartiert.

Khaosan World in Asakusa

Capsule and Sauna Oriental in Ueno

Wise Owl Hostel bei Shibuya

East57 in Asakusabashi

Bildquellen: booking.com

Erkunden der Weltstadt

Taekwondo

Am ersten Abend stand Taekwondo auf dem Plan. Da ich es zum Ziel hatte, in jedem Land auf meiner Reise eine Taekwondo Schule zu besuchen, hatte Hiromi vorab einige Schulen in Tokio kontaktiert. Meister Yong Sung Kim hatte uns in seinen Dojang willkommen geheissen. Zu unserer grossen Überraschung war er Mitstudent und Freund von unserem Grossmeister in Korea. Er und seine Frau waren sehr freundlich und hatten uns am Ende des Trainings mit kleinen Souvenirs eingedeckt.

J-World

Shōnen Jump ist einer der erfolgreichsten Manga-Magazine in Japan und brachten zum Beispiel die Geschichten Naruto, One Piece und Dragonball hervor. In Tokio gibt es das J-World, eine Art Museum und Attraktionspark. Es stand für uns ausser Frage, dass wir dem J-World einen Besuch abstatten. Bei einem Ninja Trainingsparkour brachten Naruto und seine Freunde uns bei, wie wir unsere Chakra benutzen sollen, um Rasengans (wir mussten blaue Bälle einsammeln haha) zu erschaffen, die wir dann gegen unsere Feinde eingesetzt haben, welche über eine grosse Leinwand umherschwirrten. Später halfen wir Bulma Dragonballs zu sammeln, in dem wir nicht ganz einfache Spiele gewinnen mussten, um dann den grossen Shenlong hervorzurufen. Aber das Highlight war das Kamehame Ha, das wir mit Kuririn in einem 3D-Raum trainierten, bis plötzlich Freezer auftauchte und wir mit Son Goku gemeinsam eine Mega Kamehame Ha Attacke ausführten. Ach, es tat richtig gut mal wieder voll und ganz das Kind in einem raus zu lassen. 😉

Odaiba

Odaiba ist eine künstlich angelegte Insel. Als das Shogunat noch regierte und Japan von der Welt isoliert war, tauchte eines Tages der US-amerikanische Commodores Matthew Perry mit vier schwarzen Schiffen vor der Küste auf. In den folgenden Jahren wurde zum Schutz des Hafens die Insel aufgeschüttet, um dort Kanonen zur Abwehr zu platzieren. Seit etwa 20 Jahren wurde dieses Gebiet modernisiert und ist heute bei den Einheimischen sehr beliebt. Wir blickten kurz in das riesige Toyota Museum, wo man das ganze Gelände mit kleinen Elektroautos besichtigen kann. Autofans kommen hier bestimmt auf ihre Kosten. Daneben steht das Riesenrad, bei dem einige Kabinen mit gläsernen Böden ausgestattet wurden. Von hier hatten wir eine fantastische Aussicht auf Tokio. Später spazierten wir zur Kopie der Freiheitsstatue von New York, welches mit der Rainbow Bridge und dem Skyline vom Stadtteil Minato im Hintergrund ein perfektes Sujet für ein Foto war.

360°

Akihabara

Die Gegend um den Bahnhof Akihabara ist ein Treffpunkt für Fans von Videospielen, Elektronik, Manga, Anime und Cosplay. Man findet dort Sammelfiguren in allen Grössen und Preisen. Entlang der Strassen entdeckten wir immer wieder Promoterinnen für sogenannte Maid-Cafés, in welchen junge Kellnerinnen im Dienstmädchenlook arbeiten und den Gast mit «Master» ansprechen. Dabei verhalten sie sich kindlich, niedlich und etwas naiv. Nun, ich lese immer wieder mal von verrückten Dingen aus Japan und was wäre eine Japanreise ohne ein solches Erlebnis?
Wir wagten einen Besuch im @home cafe, Wartenzeit bis zu zwei Stunden. Das Café erstreckt sich über mehrere Stöcke und die Hausmädchen trugen je nach Stockwerk andere Farbkombinationen. Es sind zwar alle willkommen, dennoch fanden sich mehrheitlich männliche Gäste ein, teilweise auch alleine. Fotos sind leider nicht erlaubt, aber die Homepage soll einen Eindruck eines Besuchs geben. Der Eintritt kostete JPY 700.- pro Person (ca. 6.-) mit einer Konsumpflicht von mindestens JPY 570.-. Maximale Aufenthaltsdauer ist eine Stunde, anfassen und nach der Telefonnummer fragen ist verboten, jedoch darf man für einen Aufpreis sich ein Mädchen für ein gemeinsames Fotoandenken auswählen. Zwei waren als Star gekennzeichnet und waren dementsprechend deutlich teurer. Scheinbar ist es für viele Gäste ein Hobby die Fotos in einem Album zu sammeln, ähnlich wie die Panini-Fussballbilder bei uns. Wir bekamen eine Karte als Auszeichnung eines «Masters Lvl 1». Mit weiteren Besuchen kann man so noch höhere Level erreichen. Irgendwie war es lustig, wenn auch etwas eigenartig.

Impressionen

Nachdem Hiromi abgereist war, wollte ich ursprünglich die Westküste erkunden, entschied mich aber stattdessen in der Stadt zu bleiben, diese zu geniessen und an meinem Blog zu arbeiten. Die nachfolgenden Bilder zeigen unter anderem
– einen Fishing Restaurant, wo man den Fisch selbst fischen muss,
– Shibuya-Crossing, eine der bekanntesten Kreuzung der Welt,
– den Senso-ji, einen Tempel in Asakusa,
– meinen Spaziergang durch den Ueno Park,
– ein Kriegsmuseum, das bei Touristen nicht offen beworben wird, weil dort die japanischen Kriegshelden und Errungenschaften gedacht werden,
– meinen Spaziergang um den Kaiserpalast zum Bahnhof Tokyo Station Hotel
– und weiteres

360°

Fazit

Kriegsvergangenheit

Anders als Deutschland, welches die Kriegsverbrechen vom Zweiten Weltkrieg aufgearbeitet hat, war die Niederlage für die stolzen Japaner eine Schmach. Die zwei einzigen Atombomben, die der Mensch in Japan zum Einsatz brachte, kamen einer Demütigung gleich und zwar gegenüber der ganzen Welt. Als ich die Museen in Japan besucht hatte, sah ich die klare Botschaft, dass Kernwaffen zu verbieten sind, traf aber keine Gedenkstätte für Kriegsopfer anderer Länder an, die unter dem japanischen Militär getötet wurden. Vielmehr erlebte ich Ehrungen für verstorbene japanische Soldaten, die für den Kaiser ihr Leben gaben. Es ist umstritten, was als Kriegsverbrechen gilt und zur Rechenschaft gezogen werden soll. Waren die US-Atombomben auf Zivilisten ein Kriegsverbrechen, also Mord, oder war es eine Notwendigkeit, um Millionen Menschen zu retten? Für mich ist klar, eindeutige Angriffe auf Zivilisten ist ein Kriegsverbrechen und gehört bestraft.

Mystik

Nachdem ich bereits sechs asiatische Länder besucht hatte, hat es Japan wirklich geschafft, eine besondere Mystik zu hinterlassen. All die Tempel und Schreine hatten eine spezielle Aura. Auch wenn sie buddhistisch sind, war es nicht die gleiche Atmosphäre wie in Südostasien, mit welcher ich aufgewachsen bin. Ich denke, es liegt nicht nur an einer anderen buddhistischen Richtung, sondern an der Kultur selbst, die einfach ganz anders ist, als die in den Ländern die ich bisher bereist hatte.
Japan ist ein hochentwickeltes Land. Wenn man Roboter erwähnt, denkt man schnell an Japan. Aber die Japaner halten auch an nostalgischem fest, wie zum Beispiel die kurzen alten Trams, oder finden Dinge cool, wie die herzigen kleinen eckigen Autos. Ich staunte über die schönen Gärten, die im Gegensatz zu denen in China, einfach perfekt und harmonisch sind. Daneben lieben Japaner die bunte Manga Welt, arbeiten viel und hart, um sich etwas zu gönnen und an Verrücktem zu erfreuen. Dabei halten sie aber die Höflichkeit, Anstand und Respekt der Samurai hoch, sind Detailverliebt und zelebrieren das Essen. Ich denke, es ist genau dieser Mix zwischen Moderne, Tradition und Wünschen, der diese Mystik hervorbringt.

Emotionen

Erlebnisse und Ereignisse sind intensiver, wenn Emotionen im Spiel sind. Denn erst dann werden sie zu unvergesslichen Momenten. Die Japanreise wäre nicht dieselbe, wenn Hiromi nicht dabei gewesen wäre. Einerseits stehen wir uns nahe, andererseits habe ich durch sie einen tieferen Einblick in die japanische Kultur bekommen. Ich lernte ihre Grossmutter, ihre Tante und ihren Vater kennen. Ausserdem unterrichtete sie mich in den Umgangsformen und Tischmanieren. Einige sagen, dass Japan dem Westen nah ist, aber ich muss sagen, dass ich froh bin, dass das Land nicht verwestlich ist und ihre eigene Identität wahrt und pflegt. Japan war unvergleichbar.

Arigatou gozaimashita!

This entry was posted in Japan, Tokio

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