Fukuoka – Tsukumi – Beppu

Japan: Samurai, Ninja, Karate, Judo, Sumo, Manga, Anime, Godzilla, Toyota, Nissan, Honda, Subaru, Sushi, Sashimi und Sake. Geläufige aber exotisch klingende Wörter, die einen der modernsten Länder der Welt etwas Mystisches und Rätselhaftes geben. Das Land scheint eine spezielle Anziehungskraft auf Touristen zu haben. Ich war jedenfalls sehr aufgeregt endlich dieses Land mit seinen Mythen und Sagen bereisen zu können.

Zusätzlich war die Freude riesig, nach 6 Monaten reisen, eine mir nahestehende Freundin aus der Schweiz wieder zu treffen, die mich 3 Wochen lang durch Japan begleiten wird. Hiromis Vater lebt in Osaka und wir hatten auch vor ihre Grosseltern in Tsukumi zu besuchen und bei der Tante in Obayashi zu übernachten. Da sie also regelmässig nach Japan reist und Japanisch kann, war sie meine perfekte Begleiterin bzw. Reiseführerin.

Im April ist Kirschblüten-Saison, was jedes Jahr viele Touristen nach Japan lockt. Hiromi hatte deshalb schon vorab alle Unterkünfte reserviert, mit mir die Route abgestimmt und die einzelnen Tage eingeteilt. Ihre Excel-Tabelle mit allen Abfahrts- und Ankunftszeiten, Hostels und Hotels und Optionen für Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten sah fantastisch aus. Perfekter geht es nicht. Ich war absolut froh, da ich es nach einem halben Jahr überdrüssig war über die nächsten Destinationen zu recherchieren und mich entscheiden zu müssen. So konnten wir beide die gemeinsame Zeit in Japan stressfrei geniessen.

Auf nach Japan

Zuvor musste ich mir den Japan Railpass besorgen, ein Generalabonnement für Touristen zur Nutzung der Shinkansen und Regionalzüge von Japan Railways (JR), den man nur ausserhalb Japans erwerben kann. Gekauft habe ich den Pass bei einer Reiseagentur in Busan, die als offizieller Herausgeber eingetragen ist. Der Pass für CHF 530.- ist für 21 Tage ab Einlösung an einem Bahnschalter gültig. Das klingt zwar erstmal nach sehr viel Geld, aber da Zug unser Hauptreisemittel in Japan sein wird absolut rentabel. Eine Zusammenstellung aller Fahrtkosten werde ich im Fazit im letzten Bericht zu Japan aufzeigen.

Die Überfahrt mit der Fähre von Busan nach Fukuoka dauerte etwa 3 Stunden und kostete CHF 72.-, was, je nach Wochentag und Saison, etwa den Preisen für einen Flug gleichkam. Schon bei der Einreise erlebte ich die aussergewöhnliche Höflichkeit der Japaner.

Konichiwa

Zum Zeitpunkt der Einreise hatte ich noch keinen Weiterflug aus Japan gebucht und konnte auch keine Reservierungen von Unterkünften vorweisen. Als ich dem Beamten aber meine Weltkarte mit allen Destinationen in der Maps.me App zeigte, war dieser ganz erstaunt und begeistert, hiess mich willkommen und wünschte mir einen guten Aufenthalt. Die Zollbeamtin fragte mich ganz nett und schon fast schüchtern, ob sie mein Gepäck durchsuchen darf und hat sich danach mehrmals bedankt, natürlich mit einer kleinen Verbeugung.
Ich lief als erstes zum Hauptbahnhof, um dort etwas zu essen und Bargeld abzuheben. Ähnlich wie in Südkorea akzeptieren viele Automaten keine Karten aus dem Ausland. Glücklicherweise hatte ich noch Koreanische Won im Wert von etwa 50 Dollar, die ich in Yen eintauschen konnte. Danach habe ich das & AND Hostel aufgesucht, wo Hiromi und ich uns minutenlang in die Arme fielen. Später assen wir leckeren Ramen an einem Strassenstand (ach, wenn ich davon schreibe, läuft mir direkt das Wasser im Mund zusammen) und liessen den Abend mit einem japanischen Bier ausklingen. Es war nicht geplant die Stadt und Umgebung zu erkunden, also kann ich auch nichts davon erzählen. Aber das Hostel kann ich wärmstens empfehlen, das erst kürzlich eröffnet wurde und ein Bett im gemischten Schlafsaal für nur JPY 3’240.- pro Nacht (ca. CHF 28.40) zu haben war.

Bildquelle: Hostelbilder von hostelworld.com

Tsukumi

Am nächsten Tag ging es dann zum ersten Mal mit einem Shinkansen Richtung Tsukumi an die Ostküste von Kyushu. Es gibt verschiedene Modelle der Hochgeschwindigkeitszüge. Dieser hier der Serie 800 sah ziemlich spacig aus, fährt im alltäglichen Betrieb aber nur 260 Stundenkilometer schnell. Sonst flitzen die Züge mit bis zu 320 km/h durch die Landschaft. Zurzeit wird eine Strecke für einen Maglev Zug (Magnetic Levitation), also für eine Magnetschwebebahn gebaut, welche 2025 fertiggestellt sein wird. Diese Züge bringen es dann auf wahnsinnige 600 km/h.
Tsukumi ist ein kleines ruhiges Dörfchen, wo eigentlich nur noch betagte Senioren wohnen. Es war auch ganz still, als wir zum Haus der Grosseltern von Hiromi kamen. Da die Grossmutter aber trotz mehrmaligem klingeln nicht öffnete, gingen wir zum Seniorenheim, wo sie sich öfters aufhielt. Sie hatte den Besuch ganz vergessen und war auch überrascht, dass ich nicht weiblich war 😃. Hier erlebte ich eine traditionelle Umgangsform. Man berührt keine älteren Personen, also kein Händeschütteln oder Umarmungen. Dass wir in einem Raum zusammen übernachten würden, durfte auch gerne verschwiegen werden. Die Grossmutter war sehr süss und freudig aufgeregt, als es zu einer gemeinsamen Spielstunde mit allen Senioren kam. So würde ich es zumindest mal interpretieren, denn man zeigt ja seine Gefühle nicht offen. Weil es dann doch schon spät war, liessen wir den Besuch des Grossvaters in der Klinik aus. Sein Gesundheitszustand sei seit einigen Jahren sehr schlecht. Er kann nicht mehr sprechen und auch nicht mehr interagieren. Hiromi hat sich deshalb beim letzten Besuch schon von ihm verabschiedet. Nach dem freudigen Besuch bei Hiromis Grossmutter, haben wir uns nach Beppu aufgemacht.

Beppu

Beppu ist bekannt für die heissen Quellen, auch Hells of Beppu genannt. Nach dem Yellowstone Nationalpark in den USA, schiesst hier das Wasser volumenmässig weltweit am zweitmeisten aus dem Erdinnern. Mit dem Jigoku Tour Ticket für 2’000 Yen (ca. CHF 18.-) besichtigten wir Umi-Jigoku, Oniishibozu-Jigoku, Kamado-Jigoku, Oniyama-Jigoku, Shiraike-Jigoku, Chinoike-Jigoku und Tatsumaki-Jigoku. An vielen Quellen entstanden sogenannte Onsen (Geschlecht getrennte heisse Bäder). In unserem Hostel Cabosu House Beppu (JPY 2’325.- pro Nacht = CHF 21.-) mit traditionell-japanischen Räumen gab es auch einen Onsen, den man kostenlos nutzen durfte. Die Quellen werden zudem zum Beheizen von Landwirtschaft und Fischfarmen genutzt.

Bildquelle: Hostelbilder von agoda.com

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