Von der Route her wäre die Stadt Xi’an idealer gewesen, um von dort aus weiter Richtung Norden zu reisen. Jedoch gehörte Zhangjiajie für mich zu den Orten mit hoher Priorität. Also ging es zunächst mit dem Flugzeug (ca. CHF 143.-) von Chengdu nach Changsha, um von dort mit dem Zug (ca. CHF 21.-) nach Zhangjiajie zu gelangen. Vom Bahnhof waren es dann nur noch etwa 1.5 Kilometer bis zum Cloud Youth Hostel, in dem ich für drei Nächte CHF 8.70 bezahlt hatte. Der Besitzer ist ein lustiger Typ und hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Sein Englisch war nicht schlecht und er konnte mir gute Empfehlungen und Infos über den Tianmen und den Nationalpark geben. Ich verstand mich auch so sehr gut mit ihm, so dass ich am letzten Tag,  als ich auf meinen Abendflug wartete, sogar leckeren Fried Rice von ihm gekocht bekommen habe. Das Hostel lag nicht gerade optimal im Zentrum, aber da ich eh gerne laufe, hat es mir nichts ausgemacht. Was man vielleicht wissen sollte ist, dass das Hostel keine westlichen Toiletten hat. Ich muss zugeben, dass ich meine Mühe hatte damit klarzukommen.

Bildquelle: Agoda

Tianmen

Der Berg Tianmen (1519m) gehört zu den Highlights in Zhangjiajie. Auf Facebook kursieren Videos, wie Leute über gläserne Wege laufen und in den Abgrund blicken. Einige hatten dabei so Angst, dass sie sich am Geländer oder am Felsen klammerten und sich weigerten loszulassen. Ich habe selbst ein wenig Höhenangst und hatte hin und wieder ein mulmiges Gefühl, wenn ich mich an den Rand des Weges stellte und nach unten blickte. Aber das Vertrauen in die Stabilität der Konstruktion überwog, so dass  ich ohne Probleme über den gläsernen Sky Walk laufen konnte. Man kann dies im Osten, Westen und Süden des Berges tun und muss nur ca. 1 Franken für die Überziehschuhe bezahlen. Die Plattformen sind 60-100 Meter lang und etwa 1.6 Meter breit.
Berühmt ist auch das Heaven’s Gate, ein riesiges Loch im Berg, das auch von vielen Wingsuit-Sky-Diver durchflogen wird. Leider war der Zugang, genauso wie viele Wege und Berge, in der Wintersaison geschlossen. Um auf den Tianmen zu kommen, muss man die Seilbahn nehmen (CNY 206.- = ca. CHF 30.- Hin- und Rückfahrt plus Eintritt inklusive), die mit 7 Kilometern und einer 30 Minuten Fahrdauer die längste der Welt ist. Zum Glück war die Besucheranzahl auf Grund der Wintersaison angenehm und der Berg nicht zu überlaufen. Ich lief gegen den Uhrzeigersinn um den ganzen Berg herum. Man hat sowieso keine Möglichkeit vom Weg abzuweichen.

Zhangjiajie Nationalpark

Für CNY 25.- (ca. CHF 6.40) ging es mit einem Bus zum Zhangjiajie Nationalpark. Der Eintrittskarte kostete in der Wintersaison CNY 136.- (ca. CHF 20.-) und war 3 tagelang gültig . Ich hatte aber nur einen Tag dort geplant und war aus diesem Grund mit einem ordentlichen Tempo unterwegs, um trotzdem eine grosse Strecke zu erkunden. Im Nachhinein empfehle ich mindestens zwei Tage dort zu wandern und sich für die fantastischen Berge mehr Zeit zu nehmen.
Der Hostelbesitzer hatte mir eine Strecke empfohlen, die man gut in einem Tag machen kann und dabei an den schönsten Stellen vorbeikommt. Der erste von drei Abschnitten war aber aufgrund von Sturmschäden (Baumsturz, Brückenbruch usw.) geschlossen. Überall wohin ich gehen wollte, war wegen der Wintersaison geschlossen, was mich dann doch langsam aber sicher genervt hat. Als ich mal wieder vor einer Absperrschranke stand, überlegte ich, ob es denn wirklich soooo gefährlich wäre den Weg trotz Sperrung zu nehmen. Obwohl auf dem Schild grosse rote Schriften und Signale auf die Gefahren hinwiesen, schlüpfte ich unter der Schranke hindurch und wanderte los. War ja keiner da, der es kontrollierte und umdrehen kann man ja jederzeit wieder. Es erwies sich als eine sehr gute Entscheidung. Ich war komplett alleine. Es war absolut totenstill. Nicht einmal ein Tier war zu hören. Ehrlich gesagt war es auch ein wenig unheimlich und doch gleichzeitig wunderschön, die unglaubliche Stille zu geniessen. Zum Thema gefährlich: ja, es gab vereinzelt Bäume, die auf den Weg gefallen sind und eine Brücke, die gestürzt war, aber ansonsten war nichts, das gefährlich gewesen wäre. Ich traf auch einige Arbeiter auf dem Weg, die gerade dabei waren irgendwelche Kabel durch das Gebiet zu ziehen. Einer deutete an, ich könne bei einer Absperrung mit Holzpflöcken einfach durchschlüpfen und ein anderer sagte auf Chinesisch, ich solle auf rutschige Stellen und fallende Äste achten und dass es besser wäre zu zweit zu gehen, just in case.
Und dort sah ich dann ins Tal hinunter und erblickte die ersten «fliegenden Berge». Die Hallelujah Berge aus dem Film Avatar kamen im zweiten Abschnitt im Yuanjiajie Gebiet und waren echt atemberaubend. Der chinesische Tourismus wirbt schliesslich auch mit dem Avatar Film und zieht so viel Aufmerksamkeit auf diesen Nationalpark. Der dritte Abschnitt im Gebiet vom Tianzi Mountain ist auch sensationell, da man dort vom Berggipfel die ganze Schlucht überblicken kann. Beim anschliessenden Abstieg durchwanderte ich direkt die Schlucht und erlebte so das Ganze auch noch von unten. Für mich bisher ein Highlight.

Yaozizai Route (östlich vom Golden Whip Stream)

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Yuanjiajie Route (Enchanting Terrace, Hallelujah Mountain, Natural Bridge)

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Tianzi Mountain

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Tianzi Abstieg zum Mini-Train

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Für alle, die China bereisen wollen ist  Zhangjiajie ein Must-Visit.  Nicht unbedingt wegen dem Film, sondern dem atemberaubenden Anblick der Natur. Erwischt man einen Tag mit Dunst, Morgennebel bzw.  tief liegenden Wolken, muss die Stimmung noch mystischer wirken, wenn zwischen den Bergen der Wolkendunst hindurch zieht.

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