Taipeh – Shanghai

Vorab eine wichtige Anmerkung! Ich habe Taipeh mit unter China genommen, da ich einfachheitshalber Taipeh und Shanghai zusammenfassen möchte. Ob nun Taiwan zu China gehört oder nicht ist politisch umstritten und ich möchte hier niemanden beleidigen.

Nun war es soweit. Es ging nach China, was vorab gut vorbereitet werden musste. In der Woche über die Neujahrstage, die ich in Kambodscha verbrachte, wollte ich nutzen, um mich um das Visum zu kümmern. Nun ja, es wurde viel gefeiert, wodurch im mich zu spät um das Visum bemüht habe.
Da ich die vier Passbilder, die ich dabei hatte, bereits für andere Einreisen benötigt habe, mussten erst noch neue Bilder geschossen werden. Auf der Website der Chinesischen Botschaft in der Schweiz und in Kambodscha stand, dass alle Kopien der Unterkünfte und E-Tickets der Flüge dem Visumantrag beigelegt werden müssen. Verschiedene Reiseblogs empfahlen, die Reservation nach dem Erhalt des Visums zu stornieren, da diese bei der Einreise nicht mehr überprüft werden. Also buchte ich Unterkünfte in verschiedenen Städten und stornierte sie später wieder kostenlos.
Da China den Expressantrag für Schengenländer gestrichen hat, dauerte die Bearbeitung mindestens 5 Arbeitstage. Die Zeit von fast einer Woche, die ich dadurch länger in Phnom Penh bleiben musste, wollte ich eigentlich in Taiwan verbringen. Schliesslich blieben mir dort nur zwei volle Tage, da ich den Flug von Taipeh nach Shanghai bereits gebucht hatte und eine kostenlose Stornierung nicht möglich war.

Taipeh

Ich flog also  über Kuala Lumpur nach Taipeh (CHF 191.-). Um  23:25 Uhr am Flughafen gelandet, holte ich noch schnell am ATM Taiwan Dollar und nahm den nächsten Bus in die Innenstadt zum Taipei Main Station, wo ich dann endlich nach Mitternacht im Hostel SpaceInn eingecheckt habe. Wie der Name schon sagt, ist das Design des Hostels einem Raumschiff nachempfunden. Es war wirklich cool, wenn man sich wie ich für abgefahrene Architektur begeistern kann. Für CHF 16.- pro Nacht war es für Taiwan sehr günstig. Allerdings musste ich mich erst an solche Preisen gewöhnen, da ich ja nicht mehr in Südostasien war.

Bildquelle: Hostelworld

Das Hostel liegt unweit vom Hauptbahnhof und dem Ximen Area entfernt, einem Vergnügungsviertel, so dass ich am ersten Tag die Gegend gut zu Fuss erkunden konnte. Das Ximen Area ist ein belebtes Quartier mit vielen Shops, Cafés, Restaurants und Unterhaltungsmöglichkeiten. Ich war eher auf dem Weg zum Longshan Tempel, welcher im Jahre 1738 von eingewanderten Han-Chinesen erbaut wurde. Scheinbar war es ein besonderer Tag, da viele Einheimische den Tempel besuchten, um zu beten und Opfergaben zu bringen. Es ist ein sehr schöner Tempel, der sehr aufwändig verziert ist.

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Danach ging es zum Chiang Kai Shek Gedenkpark und Gedächtnishalle. Hierzu ein kleiner Auszug darüber, wer er war und wie die Geschichte zwischen China und Taiwan verlief.

Die Qing Dynastie war die letzte grosse Kaiser-Dynastie Chinas von 1644-1911. Intellektuelle und westlich eingestellte Chinesen vor allem aus den kolonialisierten Gebieten wie Hongkong, Kanton (Guangzhou) und Shanghai strebten nach einer demokratischen Republik. Eine führende Rolle spielte dabei Dr. Sun Yat-sen. Nach dem Sturz der Qing Dynastie Ende 1911, wurde am 1. Januar 1912 die Republik China ausgerufen, die aus den südliche Provinzen bestand. Der Norden hat Yuan Shikai, ein ehemaliger Armeekommandant der Qing, mit seiner Beiyang-Armee die Kontrolle übernommen. Sun überliess ihm den Posten des Präsidenten der Republik, um damit ganz China zu einigen. Yuan hatte aber seine eigenen Pläne die Monarchie wiedereinzuführen, was zum Bruch zwischen ihm und Sun führte. Schliesslich nahm er praktisch ganz China ein. Nach dem Tod von Yuan spaltete sich die Beiyang-Armee in 4 grössere Gruppen, welche sich gegenseitig bekämpften. Sun, derweil im Exil, versuchte weiterhin mit seiner Partei der Kuomintang die Menschen für die Republik zu gewinnen, um die Kriegsherren und die Westmächte (Japan, Russland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Vereinigte Staaten, Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Italien) zu bekämpfen. 1921 wurde die Kommunistische Partei Chinas gegründet, zu welcher vor allem Bauern und Arbeiter angehörten. Während Sun mit dem linken Lager der Kuomintang die Zusammenarbeit mit den Kommunisten befürwortete, war Chiang Kai-shek, ein Militarist und Protegé von Sun, mit dem rechten Lager dagegen. Nach dem Tod von Sun, kämpften zunächst beide Parteien zusammen und siegten über die Kriegsherren im Norden. Chiangs Republik, nun eine Militärdiktatur, entmachtete alsbald die Kommunisten, griff ihre Basen an und vertrieb sie in den Westen in die Provinz Shaanxi.

Vor dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Besetzung der Mandschurei (Nordosten Chinas) und den Küstengebieten durch Japan. Chiang war gezwungen die Kommunisten zur Hilfe zu holen, da sie alleine grosse Niederlagen erlitten. Nach der Kapitulation Japans war ein Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und der Republik unvermeidlich. Unterstützt durch die Sowjetunion und dank dem grossen Rückhalt der ländlichen Bevölkerung bezwangen die Kommunisten die Republik und eroberten danach ganz China. Chiang und die Kuomintang flohen mit ca. 2 Millionen Zivilisten nach Taiwan, wo sie die Rückeroberung des Festlandes planten. Am 1. Oktober 1949 rief der Kommunistenführer Mao Zedong die Volksrepublik Chinas aus. Sowohl die sozialistische Volksrepublik China und die demokratische Republik China beanspruchen die Anerkennung als einzig legitime Regierung Chinas. Während letztere bis Anfang der 1970er-Jahre China in den Vereinten Nationen vertrat, wurde die Volksrepublik China erst in den 70ern international anerkannt. Sie setzte anschliessend bis heute eine «Ein-China-Politik» durch. Nur noch 21 Staaten unterhalten aktuell noch offizielle diplomatische Beziehungen zu Taiwan.

Während Dr. Sun Yat-sen auf dem Festland, sowie auch in Taiwan als Gründer des modernen Chinas verehrt wird, gilt Chiang Kai-shek in Taiwan als Volksheld, der eine fortschrittliche, kapitalistische und demokratische Gesellschaft brachte.

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Shanghai

Taipeh war schon eine Grossstadt, aber Shanghai hat mich erschlagen. Aus Südostasien kommend, bin ich andere Städte und Menschen gewohnt. Südostasien ist nicht nur vom Klima wärmer, sondern auch die Menschen sind äusserst herzlich. Viele Mitreisende teilen auch eine ähnliche Ansicht was chinesische Touristen und folglich alle Chinesen anbelangt. Niemand mag sie. Sie kommen in Horden und überrennen die Sehenswürdigkeiten, drängen sich ins Bild, stehen nicht an, rotzen und husten einem ins Gesicht, sind laut und haben kein Benehmen. Ich hatte mich darauf eingestellt, aber es war weniger das Benehmen der Leute, das mich in Shanghai störte. Ich fühlte mich unwillkommen und alleine. Im Hostel Wood & Rock (ca. CHF 14.-/Nacht) waren auch fast nur einheimische Touristen zu finden, welche wenig kontaktfreudig waren und kaum Englisch sprachen. Als dann noch meine Kreditkarten abhanden kamen und ich hohe Fremdbuchungen festgestellt hatte, war es mit der grossen Lust China zu bereisen vorerst vorbei und ich spielte mit dem Gedanken in ein weiteres südostasiatisches Land zu fliegen. Ich entschied mich dann aber Shanghai schnell zu verlassen und nach Suzhou zu gehen, wo ich eine US-Amerikanerin treffen wollte, mit welcher ich einige Tage auf Koh Samui in Thailand verbracht hatte.

Bildquelle: Hostelbilder von Hostelworld

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