Weswegen bin ich denn nochmal nach Chengdu gekommen? Wegen den Pandas natürlich! Videos von den süssen Pandas sieht man immer wieder auf Facebook und Youtube und genau diese kleinen tapsigen Tiere wollte ich mal mit eigenen Augen sehen. Aber vorher musste ich erst eine 24-Stunden Reise bis nach Chengdu antreten. Mit einem Bus für CNY 230.- (ca. CHF 33.-) ging es morgens um 8:00 Uhr von Lijiang nach Kunming, von wo aus ich den Nachtzug für CNY 138.50 (ca. CHF 20.-) nach Chengdu nahm.

Bullet Train, Sleeper Train

In Südostasien sind die Busnetze sehr gut ausgebaut und dadurch ist der Bus dort auch das Hauptreiseverkehrsmittel. Wie reist man eigentlich durch China? Ich habe von riesigen Distanzen gelesen und entsprechend sind Zugfahrten von 20 Stunden auch keine Seltenheit. China scheint für die Mobilität, sowie auch für den Tourismus viel zu tun. Alle Bahnstationen und U-Bahnnetze wirkten absolut neu und erst kürzlich erbaut. Das Netz der Hochgeschwindigkeitszüge erstreckt sich bis weit in den Westen des Landes und verbindet alle grösseren Städte. Als ich in Shanghai das erste Mal einen Bahnhof betrat, fand ich mich in einer riesigen Halle wieder, ähnlich wie an einem Flughafen. Klar, für die Abermillionen von Menschen muss genügend Platz und ein System vorhanden sein, das einen schnellen und reibungslosen Betrieb ermöglicht. Auch den hohen Sicherheitsaufwand habe ich bisher in keinem anderen Land erlebt.

Bevor man in die Stationen gelangt, muss man durch eine Sicherheitsschleuse wie am Flughafen, wo erst einmal Gepäck und Person durchleuchtet werden. An den Eingangsautomaten zu den Gleisen, zu denen man sich erst 15 Minuten vor Abfahrt begeben darf, achten die Sicherheitsleute penibel darauf, dass man sich richtig einordnet, um seine Tickets zu scannen. Dies ist in China, wie ich selbst erfahren habe auch sehr sinnvoll. Die Leute stehen bereits eine halbe Stunde vor Einlass an den Eingangsautomaten Schlange. Als einmal keine Sicherheitsleute vor Ort waren, fingen alle wie gewohnt an zu stürmen, zu schubsen und zu drängeln. Die Tickets darf man auch auf keinen Fall im Zug entsorgen, da man diese zum Verlassen der  Stationen wieder benötigt.

Chengdu

In Chengdu bin ich dann auch irgendwann morgens angekommen, und hab mich direkt auf den Weg zum Flipflop Hostel gemacht. Ein cooles Hostel für CHF 4.20 pro Nacht, wo ich mit anderen Gästen kostenlos Dumplings gemacht habe. Naja, es sollten Dumplings sein. Meine waren optisch nicht die Schönsten, dafür schmeckten sie sehr lecker. An einem Abend gab es auch eine kleine gratis Vorführung einer Chinesischen Oper. Auch wenn ich als Ausländer nichts verstanden habe, war es schön anzuschauen. Allerdings bekam der To-do-Punkt für Peking, Besuch einer Chinesischen Oper, danach ein grosses Fragezeichen.
Mir wurde auch Mahjong beigebracht und wie es mit dem Anfänger Glück so ist, gewann ich auch prompt die ersten drei Spiele. Der Chinese, der mir das Spiel auf Chinesisch versucht hat zu erklären, lud mich anschliessend zu «einem» Bier ein. Wir hatten einen lustigen Abend, auch wenn wir nur mit Hilfe einer Übersetzungsapp miteinander kommunizieren konnten, denn wie die meisten Chinesen konnte auch er kein bisschen Englisch. Er sei Koch und käme aus Changsha, hätte dort Frau und Kind und bot an, falls ich dorthin reisen würde, mich herum zu führen. Leider wurde die Reisezeit in China immer kürzer und somit konnte ich die Einladung nicht annehmen. Aber ich schätze die Gastfreundschaft sehr, die er mir hier anbot. Und langsam habe ich mich auch an die Menschen gewöhnt und ja, es gibt sie, die freundlichen Chinesen. Die jungen Leute sind zwar schüchtern, aber scheinen sehr aufgeschlossen zu sein, wenn man den ersten Kontakt geknüpft hat. Ausserdem habe ich festgestellt, dass das raue Verhalten vorwiegend bei der älteren Generation bestand. Spucken, rülpsen, anhusten, an-niessen, frei-schnäuzen (ein Finger hält das eine Nasenloch zu und mit einem kräftigen Schnäuzen, ist das Ding raus), anrempeln usw. sehe bzw. erlebe ich auf der Reise überraschenderweise eher wenig, wenn man die riesige Menge an Menschen in Betracht zieht.

Bildquelle: Hostelworld

Panda Aufzuchtstation

Ich buchte die Fahrt in einem privaten Van inklusive dem Eintritt zur Panda Aufzuchtstation im Hostel. Um etwa 9:00 Uhr wurde ich dorthin gebracht. Am frühen Morgen waren noch wenige Menschen vor Ort und die gesamte Anlage mit dem vielen Bambuspflanzen lag noch halb im Nebel. Ich nutzte die ruhige Zeit und die mystische Stimmung im Nebel, um alle Gehege der Anlage abzuklappern und bekam viele Pandas dabei vor die Linse. Aber das Highlight war wie erwartet die Panda-Baby Anlage, wo sich natürlich auch viele Leute versammelt hatten. Die kleinen Dinger sind einfach wahnsinnig süss. Ich blieb knapp eine Stunde hier und hätte auch noch länger ausgehalten, da dort immer etwas los ist und man sich an den tapsigen kleinen Bären gar nicht satt sehen kann. Am liebsten hätte ich mich direkt als Volontär gemeldet, wenn der Preis nicht so immens hoch gewesen wäre. Wer in Chengdu vorbeikommt, muss hier einfach hin.

Einige Infos über die Riesenpandas:
Die Nahrung der Riesenpandas besteht zu 99% aus frischem Bambus, gelegentlich gibt es mal andere Planzen und sehr selten Fleisch. In der Wildnis fressen sie bis zu 60 verschieden Bambussorten. Die Bären verbringen in Freiheit bis zu 16 Stunden, in Gefangenschaft bis zu 12 Stunden am Tag mit dem Aufsuchen und Fressen von Bambus und verzehren so täglich bis zu 40 Kg. Das hat einen einfachen Grund. Bambus enthält nur wenig Kalorien, weshalb sie sehr viel davon aufnehmen müssen.

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