Der Flug von Dunhuang nach Beijing war mit CHF 290.- sehr teuer, es sind aber auch etwa 1’850 Km Luftlinie zurückzulegen und zwischen diesen Städten existieren nur wenige Verbindungsflüge (keine Direktflüge). Ich wäre ja auch mit dem Zug gereist, wenn ich nicht im Endspurt gewesen wäre, denn meine Aufenthaltsbewilligung für China lief bald aus. Die Landung erfolgte nach 23:00 Uhr. Mit dem letzten Zug gelang ich noch ins Stadtzentrum, jedoch fuhr dort keine U-Bahn mehr. So musste ich die 4.5 Km zum Hostel laufen. Das Downtown Backpackers Hostel (72.- Yuan oder 10.- Franken pro Nacht) liegt mitten in einem Hutong. Ein Hutong bezeichnet traditionelle Wohnhöfe mit engen Gassen, wo man viele kleine Läden und Essensstände vorfindet. Viele davon wurden leider in der Vergangenheit zerstört, um Platz für grosse Wohnhäuser zu schaffen. Jedoch erkannte die Stadt Hutong als beliebtes Touristenziel und versucht die Verbliebenen zu erhalten und neue aufzubauen.

Bildquelle: Hostelworld

Die Verbotene Stadt

Nach den Reisestrapazen kam ich am nächsten Tag erst spät aus den Federn. Als ich am nördlichen Ende des Tian’anmen Platzes ankam, wo sich der Eingang zur Verbotenen Stadt befand, hatte sich längst eine riesige Menschenansammlung gebildet. Das liegt nicht nur daran, das täglich bis zu 80’000 Besucher in das Areal dürfen, sondern auch an den hohen Sicherheitsvorkehrungen rund um den ganzen bedeutsamen Platz. Es gibt Personenkontrollen und von jedem Besucher werden die Gepäckstücke und Handtaschen durchleuchtet. Gelegentlich werden auch einzelne Personen herausgepickt, bei denen die Identität kontrolliert wird. Zu einer der Glückspilze gehörte auch ich. Als ich aber dem Polizisten mit den Worten «Wo Bu Dong» zu verstehen gegeben habe, das ich nichts verstehe, hat er mich gehen lassen, weil er vermutlich kein Englisch konnte.
Nach einer Weile kam ich dann endlich in die Verbotene Stadt (Eintritt 40.- Yuan = ca. CHF 5.70). Wow! Unzählige chinesische Filme habe ich gesehen, in denen diese Stadt vorkam und nun spaziere ich selbst durch diese Anlage. Das wäre unter den Kaisern der Ming und Qing Dynastien unmöglich gewesen und hätte meinen Kopf gekostet, zumal ich erst gar nicht bis an das Eingangstor herankommen wäre. Der einfachen Bevölkerung war der Zutritt verboten. Leider hatte ich nur zwei Stunden Zeit, was für die Besichtigung des grossen Palastkomplexes etwas wenig war. Ich rate Reisenden den Besuch deshalb möglichst frühmorgens zu machen und genug Zeit einzurechnen, um die Stadt in Ruhe zu besichtigen und die Anlage auf sich wirken lassen zu können. Sie ist auf jeden Fall ein Muss für diejenigen, die sich für Geschichte und Kultur interessieren.

360°
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Tian’anmen Platz

The Great Wall

Mit über 6’000 km gilt die Chinesische Mauer als das grösste Bauwerk der Welt. Die Herrscher liessen sie ab 700 v. Chr. erbauen und bis ins 17. Jahrhundert erweitern. Dabei handelt es sich hier nicht um eine durchgehende Mauer, sondern um ein System von Mauern, die zum Teil nicht miteinander verbunden sind und Naturbarrieren wie Flüsse und Berge einschliessen. Neuste Erhebungen geben deshalb sogar eine Länge von über 21’000 km an. Diesem gewaltigen Erzeugnis fielen geschätzt bis zu einer Million Menschen zum Opfer. Die Mauer diente nicht etwa zum Schutz gegen Alien-Monster wie im Film «The Great Wall» von 2016, sondern sollten Raubzüge auf die Seidenstrasse und die Herrschaftsgebiete durch die Völker aus dem Norden, den Xiongnu und später den Mongolen verhindern.
Bei Touristen sind die restaurierten Abschnitte bei Badaling und Mutianyu nördlich von Peking beliebt, wodurch diese auch meistens überfüllt sind. Das Hostel Downtown Backpackers organisiert deshalb eine Besichtigungstour für 280.- Yuan (ca. CHF 40.-) zum Abschnitt bei Jin Shan Ling, wo man die Mauer in Originalzustand noch betrachten kann. Mit einer kleinen Gruppe schlenderte ich 6 km lang von Turm zu Turm und fand mich auch mal ganz alleine wieder. Wie eine Schlange erstreckt sich die Mauer über Hügeln bis hinter den Horizont. Das Ganze wirkte irgendwie nicht real. Eine unglaubliche und überwältigende Sicht.

360°
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Sommerpalast und Olympischer Park

Ich hatte echt Glück mit dem Wetter. Die drei Tage in Peking waren sonnig und anders als erwartet, gab es keinen sichtbaren Smog. Den letzten Tag genoss ich beim Sommerpalast im Nordwesten von Peking, ein UNESCO-Weltkulturerbe. Am späten Nachmittag wollte ich dann den Olympia Park in Augenschein nehmen. Viele Stadien und für die Olympischen Spiele errichteten Gebäude zerfallen bereits, weil man schlecht geplant hat und sie nicht weiter nutzt und pflegt. Scheinbar ziehen die Anlagen hier in Peking Touristen an, da es einen grossen Shopping Komplex mit Food Courts gibt, die gut besucht sind. Auch Touren werden scheinbar gezielt gefördert. Aber auch sonst schien mir der Park zur Erholung mit ausgedehnten Spaziergängen gut geeignet zu sein.

Sommerpalast

Olympia Park

Fazit

Go for China

Die Reise durch China begann äusserst unglücklich. Die Grossstadt Shanghai wirkte erdrückend und im Gegensatz zu Südostasien, wo die Menschen immer lächeln, liess das eher kühle und raue Stadtvolk keine willkommene und freundliche Atmosphäre aufkommen. Durch die Begegnungen mit chinesischen Touristen in anderen Ländern, hatte auch ich Vorbehalte gegenüber den Einwohnern. Zudem kamen mir meine Kreditkarten abhanden, auf welchen Fremdbuchungen vorgenommen wurden, was mein Befinden noch mehr verschlechtert hatte. Doch erinnerten mich Freunde daran, was für ein schönes Privileg ich hatte, in der Welt zu reisen und so gab ich dem Land eine Chance. Und es war eine gute Entscheidung. Ich bin fasziniert, was das Land zu bieten hat. Es ist reich an Kultur und Geschichte und hat eine unglaubliche vielfältige Landschaft. Nie hätte ich mir erträumt in einer Wüste zu stehen, die zugleich mit Schnee bedeckt war. Ich befand mich in einer Fantasiewelt bei den fliegenden Bergen in Zhangjiajie und auch die Chinesische Mauer ist einfach überwältigend.

Anstand muss gelernt sein

Viele westliche Reisende scheuen sich davor einen Trip durch China zu unternehmen. Die Menschen dort können kein Englisch, sind unfreundlich, laut und haben ein schlechtes Benehmen. Das mag zustimmen, aber wenn man sich darauf einstellt und sich vielleicht auch ein wenig anpasst, dann ist es gar nicht so schlimm, wie viele denken. Die Chinesen, denen ich begegnet bin, waren mir gegenüber sehr hilfsbereit und empfanden es sogar als Privileg mich kennenzulernen. Sie sind offen gegenüber der Modernisierung und benutzten eine gute Übersetzungsapp, um mit mir zu kommunizieren. Manche haben sich auch richtig gefreut ihre Englischkenntnisse auszuprobieren. Der Staat scheint Schritt für Schritt die Menschen in eine fortschrittliche Richtung zu erziehen. Ja durch Erziehung! Ich sah immer wieder Schilder und kurze Filme auf Monitoren mit Hinweisen, wie die Leute sich zu verhalten haben. Dies wird dann auch durch Kontrollen durchgesetzt. Für uns ist ein solcher Eingriff vom Staat kaum denkbar, aber in China mit über einer Milliarde Einwohner wohl nötig. Der Staatspräsident hat es sich auch zum Ziel gesetzt den Wohlstand in allen Bevölkerungsschichten zu erhöhen und gerechter zu verteilen.

Von A nach B

China ist grösser als Australien und unwesentlich kleiner als die USA. Aber nachdem, was ich gehört und gelesen habe, bin ich überzeugt, dass das Reisen in China viel einfacher ist als in diesen Ländern. Das Schienennetz, ob Schnell- oder Regionalzug, ist mittlerweile sehr gut ausgebaut. Die Bahnhöfe sind ziemlich neu, gut beschildert und auch auf Englisch ausgeschrieben. Ich habe zudem festgestellt, dass die Angestellten am Billetschalter an den Bahnhöfen, sowie bei Museen und Attraktionen ausreichend gut Englisch können. Da die Zugtickets immer persönlich sind, man einen festen Sitz- bzw. Schlafplatz zugewiesen wird und diese auch oft ausgebucht sind, empfehle ich die Buchung über die App CTrip. Mit jeder Buchung erhält man eine elektronische Ticketabbildung als Hilfe. Diese zeigt man mit dem Pass dann am Schalter vor und man bekommt die physische Version. Das Buchen am Schalter selbst, ob man nun Chinesisch oder Englisch kann, entfällt. Dank der App weiss man auch, in welchem Waggon man sitzt. Reisen durch China ist einfach, aber man sollte sich natürlich auch ein bisschen mit der Gegebenheit auseinandersetzen, versuchen einige Schriftzeichen zu erkennen und einige Wörter zu lernen. Das kommt immer gut an.
Innerhalb einer Stadt kommt man gut mit der U-Bahn und mit den Lokalbussen weiter. Ein Taxi musste ich, bis auf ein einziges Mal für einen späten Flug, nie nehmen. Die U-Bahnnetze sind immer auf Englisch beschriftet und die Automaten sind einfach zu bedienen. Die Bushaltestellen aber leider nicht. Ich habe meine Haltestelle jeweils auf der Map gesucht und jemandem gezeigt. Dadurch konnte ich immer auf den richtigen Bus und kam stets am richtigen Ort an.

Kein Stress

Da ich China im Wintersaison bereist habe, in der wenig andere Reisende unterwegs sind, war ich vorwiegend alleine unterwegs. Dies war zwischendurch auch mal etwas einsam, aber dafür konnte ich auch dem Massentourismus entfliehen und die Stille und abgelegene Orte ohne Menschenmassen und Gedränge geniessen. China war einfach fantastisch. Xie xie!

 

This entry was posted in Beijing, China

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